Poststempel

Arbeitsgemeinschaft "Wittlicher Postgeschichte"

Die Poststempel des Landkreises Bernkastel-Wittlich

Die französische Militärpost in Wittlich ab 1945


Eine  Besonderheit unter den Poststempeln von Wittlich stellen die Stempel des französischen Militärpostamtes der Foch-Kaserne in der Römerstraße dar. Belege mit derartigen Stempeln sind relativ selten und kaum aufzutreiben, sind doch die meisten Feldpost-Briefe und Karten entweder unerkannt bzw. unbeachtet geblieben, was nicht zuletzt mit militärischer Geheimhaltung und dem halbzivilen Charakter dieses Postwesens zu tun hat. Vor allem haben die Franzosen die Geheimhaltung bis in die neueste Zeit hochgehalten und vor Philatelisten- "Zugriff" recht erfolgreich bewahrt. Für ein Sammelgebiet "Militärpoststempel der französischen Garnison in "Wittlich" ist dies sicherlich eine schlechte Ausgangsposition. Um  die wenigen Belege mit ihren Besonderheiten richtig würdigen zu können, ist es hilfreich und nützlich, einige 
Fakten und  Hinweise zur französischen Militärpost im allgemeinen und zur Situation in Wittlich im besonderen vorauszuschicken. 
 
I. Einführung 
 
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang waren in Wittlich nach dem 2. Weltkrieg französische Truppen stationiert und zwar von 1945 - 1999. Für diesen Zeitraum kann man 
drei besondere Abschnitte unterscheiden. Von 1945 - 1955 dauerte die Besatzungszeit, während dieser 10 Jahre hatte die französische Post auf deutschem Boden einen 
eindeutig militärischen Charakter. Mit dem 5. Mai 1955 endete das Besatzungsstatut, die Bundesrepublik Deutschland wurde weitgehend souverän. Damit änderte sich auch der Status der westalliierten Streitkräfte in Deutschland sie  galten als "Stationierungsstreitkräfte". Mit der deutschen Souveränität endete auch die Zeit des  
gebührenfreien Postverkehrs für die Westalliierten. Die Folge war, dass die französischen Truppen für die Post nach Frankreich und an deutsche Adressen französische 
Briefmarken zu benutzen hatten (ab 1961), nachdem sie einige Jahre deutsche Briefmarken verwendet hatten. Die private und dienstliche Post innerhalb des  Militärpost- 
systems blieb weiterhin gebührenfrei. Als dritter Zeitraum folgt noch die Zeit, in welcher das französische Militär als Verbündeter in Deutschland war. Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 wurden nicht nur umfangreiche Truppenreduzierungen beschlossen, sondern auch Reformen im Militärpostbereich durchgeführt.  So sind seit Sommer 1999 keine französischen Soldaten mehr in Wittlich und das Militärpostamt in der Römerstraße ist aufgelöst. Das Kapitel französischer Militärpost in Wittlich ist somit beendet und aus der Sicht des Philatelisten ein abgeschlossenes Sammelgebiet. Um die Belege und Stempel der Wittlicher Garnison besser zu  verstehen, muss man sich die Infrastruktur der französischen Militärpost ansehen. 
 
II. Gliederung der französischen Militärpost 
 
Ausgangspunkt der hierarchisch gegliederten Infrastruktur der französischen Militärpost für Deutschland ist das B.C.M. = Bureau Central Militaire in Paris. Dieser Zentrale untersteht die Direktion der Militärpost in Deutschland, die sich zur Zeit in Baden-Baden befindet. Dieser Direktion unterstehen wiederum die B.P.M = Bureau Postal Militaire in Deutschland. Bei den B.P.M. handelt es sich im Prinzip um normale französische Postämter. Das Schalterpersonal besteht aus Postbeamten in Uniform,  also Leuten der französischen Zivilpost, die zum Militär eingezogen wurden. Leiter des B.P.M. ist stets ein Offizier. Zur Unterscheidung tragen die Ämter eine dreistellige Nummer, wobei sich untergeordnete  B.P.M. von ihrem vorgesetzten Amt durch den Zusatz eines Buchstaben unterscheiden; z.B. B.P.M Trier = 526 und 526A = B.P.M. Wittlich. Am 1. Mai 1991 erhielten diese früheren Filialpostämter eigene Nummern, z.B. 530 für B.P.M. in Wittlich, und wurden somit eigenständige B.P.M. 
Zu jedem B.P.M. gehört eine Anzahl von S.P. = Secteur Postal. Das ist eine kleine Dienststelle, welche die Postgeschäfte für eine militärische Einheit, etwa eine Kompanie oder ein Regiment, führt. Der Chef einer S.P. ist der "Vaguemestre" (= Postordonnanz), der im allgemeinen ein Unteroffizier ist. Der Vaguemestre ist sozusagen der "Postler" der Einheit, er nimmt abgehende Postsendungen entgegen und verteilt eintreffende Post. Er verkauft auch Briefmarken und bereitet besondere Sendungsarten  für die endgültige Abfertigung durch das vorgesetzte B.P.M. vor. Auf Sendungen der französischen Militärpost ist der Vaguemestre oft durch ein Dienstsiegel (dies ist  kein Poststempel!) mit dieser Bezeichnung "verewigt". Analog zur fünfstelligen Feldpostnummer bei der deutschen Wehrmacht führt der Vaguemestre eine fünfstellige S.P.-Nummer; diese S.P.-Nummer ist sozusagen die Adresse der Einheit und jedes zugehörigen Soldaten. So hatte das B.P.M. Wittlich bis in die neunziger Jahre zwei  S.P.-Nummern: S.P.69790 und S.P.69509 (8. Groupe de Chasseurs, Bataillon de Sidi-Brahim; 51. Artillerie-Regiment). Eine wichtige Rolle beim täglichen Austausch der Post mit Frankreich spielten die sogenannten B.F. = Bureau Frontiere, welche als Postsammel- und Leitstelle für die zugeordneten B.P.M. fungierten. Bis 1994 gab es in Deutschland zwei B.F. Das "Bureau Frontiere H" in Bühl / Baden war für die Post der Zone Süd, also Baden und die Pfalz zuständig. Für die Post der Nordzone (= das westliche Rheinland-Pfalz und das Saarland) war das "Bureau Frontiere P" in Trier verantwortlich. Nach der Schließung dieses Amtes im Jahre 1994 gingen dessen  Aufgaben auch auf das  "B.F.H." über. Nach diesem Einblick in die französische Militärpost folgen hier einige zusammenfassende Informationen für unsere Region: 
 
B.P.M. 525 = Kaiserslautern; geschlossen am 31.08.1992 
B.P.M. 526 = Trier      Stand Mai 1995 nach der Postreform 
B.P.M. 529 = St. Wendel                  " 
B.P.M. 530 = Wittlich                       " 
B.P.M. 532 = Saarburg                     "  
 
Vor der Postreform vom Mai 1991 gilt: 
B.P.M. 525B = St. Wendel 
B.P.M. 526   = Trier       
B.P.M. 526A = Wittlich 
B.P.M. 526B = Saarburg 
B.P.M. 526C = Trier-Feyen; geschlossen am 30.09.1991 
 
III. Die Poststempel der Wittlicher Garnison 
 
Das Hauptmerkmal von Militärpostbelegen ist der Tagesstempel. Für Deutschland gibt es solche in französischer und in deutscher Form. In Wittlich wurden nur Tagesstempel in französischer Form verwendet. Bis Ende April 1990 führte das  B.P.M.  Wittlich für die Entwertung der Frankatur ausgehender Postsendungen stumme  Einkreisstempel, deren Inschrift lediglich auf die "Poste aux Armees" hinwies. Im Mittelteil des Stempels sind immer zwei Datumszeilen die obere zeigt Tag und Monat,   getrennt durch einen Bindestrich, und die untere zeigt das Jahr. Oberhalb der Datumszeilen kann man die Uhrzeit ablesen. Unten befindet sich ein Sternchen. Bei den Tagesstempeln in französischer Form unterscheidet man generell zwischen Stempeln ohne bzw. mit B.P.M.-Nummer. Bis zum Jahr 1990 wurde in Wittlich der normale  Militärpostbeleg mit einem Tagesstempel ohne B.P.M.-Nummer entwertet (anonymer Stempel) Am 01. Mai 1990 wurden allgemein neue Tagesstempel mit der Umschrift  "Bureau Postal Militaire" eingeführt. Diese gibt es für Wittlich sowohl mit der alten Nummer 526A als auch mit der neuen Nummer 530. Damit wurde die Geheimhaltung - bis dahin durfte auf Postsendungen nur die SP-Nummer erscheinen - endgültig aufgegeben. Interessant dabei ist, dass mit dem neuen B.P.M.-Stempel 530 die beiden alten S.P.-Nummern (ab ca. 1995) wegfallen und eine neue S.P.-Nummer 69112 verwendet wurde. Kurz gesagt: zwei Einheiten wurden abgezogen bzw. aufgelöst und eine neue Einheit kam  bzw. eine alte Einheit bekam eine neue Nr. zugeteilt. Trotz der Auflösung der französischen Garnison und der Schließung des B.P.M. in unserer Stadt im Sommer 1999   wird es auch weiterhin französische Militärpost im Rahmen des Eurokorps in Deutschland geben.
 
Andre´ Kowalewski 
 
Literatur: 
Alfred Meschenmoser: Die französische Feldpost in  
Deutschland, Phil Creativ Verlag Schwalmtal 1994 
 
Peter Hornung: Die französische Militärpost in Deutschland 
in der DBZ  Heft 15/95 Seite 8 - 11

 

Französische Militärpost  

 

 T 1                                           
 Handstempel mit Inschrift 
 "Poste Aux ARMEES" 

 

 28.06.1986 -  

 

 

 

 T 2 
 Handstempel mit Inschrift 
 Abbildung lag bislang nicht

 vor "Bureau Postal  Militaire" 
 B.P.M. 526A 

 

 

 T 3 
 mit B.P.M. 530 
  
  
 01.05.1991 - 29.05.1997 
  
 

 

 S 1 
 Typ 4 
 PARRAINAGE DU51e R.A. 
 PAR LES VILLES 
 JUMELEES DE WITTLICH 
 BRUNOY 
  
 B.P.M. 526A 

23.07.1985 - 

 

 

Französische Militärpost 

 

 M 1 

 15.01.1981 - 27.02.1990          

 

 

 

 M 2 

 23.06.1985 -                              

 

 

 

 M 3 
 B.P.M. 526A 

 05.04.1991 - 30.04.1991                

 

 

 

 M 4 
 B.P.M. 530 
 01.05.1991 - 29.05.1997        
 

 

 M 5 
 26.09.1991 - 16.10.1991          
 

 

Französische Militärpost Nummernstempel 
 

  N 1
 zweizeilig
 S.P.69.509    

15.01.1981 -                      

                    

 

 

 

 N 2
 zweizeilig
 S.P.69.509
 14.03.1991 -               
 

 

 

 N 3
 zweizeilig
 S.P. 69.790
 28.08.1988 - 02.07.1991    
 


 

Die französische Dienstpost nach 1945 in Wittlich 
 
 
 
Französische  Dienstpost gab es  in Deutschland von 1945 bis 1955. Die deutsche Post beförderte solche Dienstpost, und damit gehört sie eindeutig zur Deutschland-  bzw. Heimat-Philatelie. Was beinhaltet nun diese Dienstpost in Deutschland? 
1. Schriftwechsel von französischen Dienststellen untereinander und mit den Alliierten. 
2. Schriftwechsel mit Deutschen (Behörden, Firmen, Privatpersonen) 
3. Schriftwechsel der französischen Dienststellen mit Frankreich und dem Ausland. Dabei kann die Besatzungsmacht die Zivilpost nutzen und dies sogar gebührenfrei! 
 
 

 

Brief mit Poststempel Wittlich vom 27.11.1952 und handschriftlichem Gebührenfrei-Vermerk "Officiel" (Dienstsache). Absender per Dienstsiegel ist ein Kommissariat für das Land Rheinland-Pfalz beim Kreis Wittlich, dazu der Namenszug des Vaguemestre (Postordonnanz). Empfänger ist das Arbeitsamt Bernkastel. 

 

Die französische Dienstpost nach 1945 in Wittlich 
 
 

 D 1
 mit Unterschrift Vaguemestre

 25.11.1952 - 15.06.1954

 

 


 

Die französische Dienstpost nach 1945 in Traben - Trarbach 
 
 

 D 1 
 mit Unterschrift Vaguemestre 
 02.05.1955 -  
 


 

 
 
 
 

Französische Militärpost
 
In Wittlich aufgegebene Post wurde gesammelt und in Trier mit dem Stempel "Bureau Frontiere" entwertet. 
 

 M 1

 07.05.1990 - 09.11.1991                                                                     

 

 

  T 1    

  30.01.1991 -